Dritte Woche des Monats Sturmmond im Jahre 10 des zweiten Zeitalters

Sonderbericht Live aus Thalassa,

"Sehr verehrte Damen und Herren,

ich melde mich hier aus Thalassa, der Hauptstadt des IX. Konzils und befinde mich wieder einige hundert Meter vom konziliaren Rat der Völker entfernt. Im Innern beraten sich gerade die höchsten Persönlichkeiten des IX. Konzils, selbst Präsident Zarquon ist von einer seiner Astralreisen zurückgekommen.

Nein, es ist keine Krise mehr. Denn was den Konziliaren in der letzen Woche passiert ist lässt sich kaum irgendwie beschreiben. Bei der Schlacht um Sasainn fielen der große Kriegsfürst Tachlaar Gargor McFrigg, Präsident der MMA und ehemals Verteidigungsminister des IX. Konzil ebenso wie Baron de Ley, Duzfreund von Barashac Thoranagash und Pontifex des Apologetischen Rates, dem es nicht einmal gelang seine eigenen Truppen hinter sich wissen zu können. Es war eine aussichtslose Schlacht in Gàradh Iarainn auf der Insel Sasainn, als allen klar wurde, dass Argonar vom Bund der Macht die Seiten gewechselt hatte. Überall auf der gesamten neunten Welt brennen nun die Feuer. Das Konzil für Sicherheit und Zusammenarbeit darf man getrost als gescheitert betrachten.

Wie wird es weitergehen? Wie wird es dem IX. Konzil gelingen sämtliche Brandherde zu löschen? Wird es die Führung schaffen alle Konziliare auf eine gemeinsame Linie einzuschwören? Ehrlich gesagt bin ich zum jetzigen Zeitpunkt skeptisch, dass die Kanzler und der Präsident dem gewachsen sind. Zu viel ist geschehen, zu viele verlorene Schlachten und gestorbene Verbündete. Unter der Regentschaft des Großen Zarquon wurde mehr Blut vergossen als in der Geschichte des gesamten Konzils. Eine erschreckende Wendung. Das Konzil wird an allen Fronten attackiert. Die neu gegründete Goldene Allianz soll nach unbestätigten Aussagen mehr als 70 Völker groß sein die alle nun bereit scheinen die Völker des IX. Konzils zu attackieren.

Gerade eben erhalten wir neuste Information von Ex-Präsident Grammond McTorwick, der in einer öffentlichen Stellungnahme seinen Austritt aus dem IX. Konzil bekannt gab. Es werden schwere Zeiten auf das IX. Konzil zukommen, soviel steht fest. Nun wird sich zeigen ob wir es mit einer Gemeinschaft zu tun haben, die diesen Namen wirklich verdient.

Für Sie, Live aus Thalassa, der Hauptstadt des IX. Konzils,
Petar Schollatur"


Dalek Dumal verurteilt

Ungewöhnliches Strafmaß verhängt

Câketan/Wildherz. Der Kriegsverbrecherprozeß am Internationalen Gerichtshof zu Câketan um Dalek Dumal ist letzte Woche mit der Urteilsverkündung zu Ende gegangen. Die 28-wöchigen Verhandlungen fanden unter Ausschluß der Öffentlichkeit und des Angeklagten statt, was vereinzelt für Kritik sorgte. Als Hauptbelastungszeugen galten Eledriel, Gottkaiser der Seeelfen und Plumps Eisentod, damaliger Krallwod des Clans Eisentod. Zudem wurden 376 weitere Zeugen geladen, die zu den Verbrechen des ehemaligen Steinernen und Gewaltherrscher der Tach Pah aussagten.

In der 712-seitigen Urteilsschrift wird Dalek Dumal im wesentlichen schuldig befunden für:

Das Strafmaß wurde unerwartet nicht auf das Höchstmaß gesetzt: Tod durch die Wiefrige Wildherzviper, deren Gift einen ungefähr 200-jährigen qualvollen Tod verursacht. Stattdessen wurde eine recht ungewöhliche Strafe verhängt: Unabwendbare Gewissensplage bis zum Lebensende. Gottkaiser Eldriel, der sich zunächst gegen den Internationalen Gerichthof aufgrund seines Urteils als Superiore Jurisprudenz der Seeelfen gewandt hatte, hat aber inzwischen eine entsprechende magische Behandlung zugesagt.

Dalek Dumal, der sich lange Zeit im Gefangenenlager zu Vulpen versteckt hielt wurde kürzlich übergeben und befindet sich nun in Obhut der Gôg. Herzog Gáldon, der sich ebenfalls unter den Zeugen befand, äußerte sich dazu: "Wir werden dafür Sorge tragen, daß der Mörder Wildherz' seiner gerechten Strafe zugeführt wird und ich hoffe, daß mit dem Urteil ein deutliches Zeichen für die IX. Welt gesetzt wurde: Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit sind noch immer die Maximen, die es zu verteidigen gilt."

Mit der Urteilsverkündung in Câketan wurde zeitgleich bekanntgegeben, daß die Prozesse um die Herrscher des ehemaligen Papuas vorerst eingestellt würden. Zwar gebe es von Seiten des Gerichtes dafür keinen Anlaß, der politische Druck habe jedoch die Objektivität der Verhandlungen zu sehr behindert. Es wurde jedoch eingeräumt, daß, sollte sich das politische Klima ändern, die Verhandlungen jederzeit wieder aufgenommen werden könnten.(kpa/aa)


Zweite Woche des Monats Sturmmond im Jahre 10 des zweiten Zeitalters

Geschichten aus Sasainn

Dalria blickte zur Uhr. "Nur eine halbe Stunde noch", dachte sie. In einer halbe Stunde mußte ihr wöchentlicher diplomatischer Lagebericht an Mithrandir verschickt sein, und der beinhaltete diese Woche ihren ausgesprochen persönlichen Coup der letzten Nacht. Die Worte fielen ihr schwer, was sie nicht gewohnt war. "Herrje, wie soll ich diesen Bericht nur verfassen ohne meine Gefühle zu erwähnen?" Kein Zweifel mehr, sie war diesem Meermenschen verfallen.

"Bericht aus Gàradh Iarainn auf Sasainn. Mannochmore von den Uisge Beatha wurde auftragsgemäß bereits am Montag ausgespäht. Zielort war Ionad Cuideachaidh Alcolach", formulierte sie auf dem wegen seines geringen Gewichts und seiner extremen Strapazierfähigkeit so ausgezeichnet für den Brieftaubenversand geeigneten Pergament, das im Volk von Loriens Wächter aufgrund seiner exorbitanten Kosten fast ausschließlich für die Korrespondenz der Diplomaten (und des Militärs) Verwendung findet. Sie hatte nicht nur eine ausreichende Anzahl Pergamente mit aus dem Botschaftsgebäude - gut in ihrem privaten Toilettenkästchen versteckt - hierher gebracht, sondern auch eine Brieftaube, damit sie ihren Bericht direkt aus der Burg Baile Margaidh abschicken konnte. "Wenn das bekannt wird, die stecken mich vors Kriegsgericht". Es war lorien'schen Diplomaten streng untersagt, ihre diplomatischen Materialien außerhalb des Botschaftsgebäudes mit sich zu führen.

"Kommst du wieder zu mir?" hörte sie die Stimme ihres Liebsten aus dem Schlafgemach. "Gleich, ich puder mir nur noch kurz die Nase", rief sie zurück, und schrieb eilig weiter: "Nach zwei erfolglosen Observationen gelang es am gestrigen Tag, in Ionad Cuideachaidh Alcolach unter einem Vorwand am Tisch der Zielperson Platz zu nehmen." Fast schon etwas wehmütig gedachte sie dem Moment, als sie merkte, daß er nicht nach Fisch roch wie die meisten anderen seines Volkes, daß er etwas elfischere Proportionen im Körperbau als seine ansonsten eher formlosen Artgenossen, daß er etwas spitzere Ohren hatte. Daß seine ruhige Stimme ihr ein zartes Schaudern über den Rücken jagte. "Ich muß aufpassen, daß mir keine verräterische Formulierung in den Bericht rutscht."

Sie schrieb weiter: "In einem unbeobachteten Moment gelang der Einsatz des Viburnum opulus durch Einrühren in ein Getränk. Schon nach wenigen Schlucken trat die versklavende Wirkung unverkennbar und umfassend ein." Seine Augen waren kurz weggerrollt, ein kurzes Abschütteln des initialen Schwindelgefühles, und von da an ein zunehmend hypnotisch werdender Blick. Das Pergament begann an den Worten "Viburnum opulus" kaum über der Wahrnehmungsschwelle leicht zu glühen.

"Aufgrund der ausgesprochen gesunden physischen Konstitution der Zielperson erwies sich eine erheblich häufigere Verabreichung des magischen Pulvers als notwendig. Es gelang in vollem Umfang, den Zustand der somatologischen Versklavung bei Burgenkommandeur Mannochmore zu erzielen. Die Kontrolle über Baile Margaidh liegt somit seither vollständig in unseren Händen. Der Erhalt des Zaubers erfordert allerdings statt der berechneten wöchentlichen eine inzwischen tägliche Verabreichung."

Mannochmore versuchte im Nebenraum betont lockend zu säuseln: "Och, kommst du nicht mal bald?". "Glee-eich!" Dalria klappte das Juwelenimitat an einem ihrer Ringe auf und ließ das darin geheim verborgene Viburnum-Pulver in ein bereitstehendes Glas Telmatherina-Tee rieseln. "Ich fordere hiermit dringend zwei zusätzliche Lieferungen Viburnum opulus höchster Reinheit an, um die Kontrolle über den innersten Kommandoraum von Baile Margaidh dauerhaft halten zu können. Ergebenst Dalria, Diplomatin". Bei den Worten "Kontrolle über den innersten Kommandoraum" prustete sie unwillkürlich kurz auf.

Hastig versiegelte sie das Pergament, rollte es in ein Transportröllchen und band es der Brieftaube um. Sie zog den windumwehten Vorhang vom Fenster weg und ließ die Taube rasch entfliegen. Ihr Blick glitt nach unten: Erst Anfang nächster Woche würden die feindlichen Truppe merken, daß sie nicht mehr Herr ihrer eigenen Burg waren, weil ihr oberster Burgherr magisch versklavt und die Fronten gewechselt hatte. Schnell zog sie den Vorhang wieder zu, besser wenn niemand bemerken würde, wessen Gesellschaft Mannochmore da oben im Turm pflegt.

Sie nahm das Tablett mit dem Tee und brachte es nun endlich ans sonnenbeschienene Himmelbett, sein begieriger Blick, sein kaum merklicher Silberblick, und besonders sein etwas schiefer Mund ließen ihr die Knie ein weiteres Mal erweichen. Und wie er mit einem simplen, fast beiläufigen Handstrich die aufreizende Form seiner kräftigen Ohren betonte! Doch schnell waren ihren Gedanken wieder erfüllt von dieser unvertreiblichen, alles beherrschenden Sorge, wohl wissend um die ungenügende Verfügbarkeit gewisser magischer Kräuter zu Hause: "Wenn nicht bald die Lieferung kommt, ist mein Viburnum leer, und ich weiß nicht, wie ich dich dann weiter als meinen Sklave binden kann."

Sie musste das Tablett abstellen und sich - unvernehmlich seufzend - neben ihn setzen: "Du elender Mistkerl", dachte sie, "für dich elenden Mistkerl hab' ich meine Unsterblichkeit aufgegeben. Wenn du mir eines Tages durchbrennst, das schwör ich dir, dann verendest du durch einen Pfeil aus meinem Köcher. Und zwar durchs Schulterblatt!"(tos)


Erste Woche des Monats Sturmmond im Jahre 10 des zweiten Zeitalters

Pendelbetrieb zwischen Galomor und Dracheninsel wieder aufgenommen

Mehr als die Hälfte der Schiffe des Königreiches Heredons haben einen Sicherheitstest bestanden; Die Flotte des Königreiches verkehrt nun wieder regelmäßig auf allen Routen zwischen Galomor und der Dracheninsel

Galomor. Von nächster Woche an hält die königliche Schiffsflotte Heredons ihre Schiffsrouten wieder ein. Der Schiffsverkehr war in den letzten Wochen nur eingeschränkt möglich gewesen, da Anschuldigungen nachgegangen werden musste, die den desolaten Zustand der Schiffe anprangerte. Insbesondere Yaotl Tlaltecuhtli verweigerte die weitere Zusammenarbeit mit den Diener der Runen da er negative Einflüsse für sein Katzenvolk befürchtete. Er warf der Flottenführung vor notwendige Instandhaltungsmaßnahmen nur auf das nötigste zu reduzieren bzw. die notwendigen Sicherheitsbestimmungen bei der Crewzusammensetzung absichtlich zu hintergehen. Unbestätigten Berichten zufolge kam es wegen diesem Thema sogar zu einem Krisengespräch der führenden Politiker Galomors das "übermäßig lautstark" und "beleidigend" geführt wurde.

Wie ein Sprecher der Diener der Runen mitteilte, fielen zwischenzeitlich insgesamt 35 Schiffspassagen aus. Die Insel Indophal war die letzten 5 Wochen von der Außenwelt abgeschottet. Die Versorgung der Dracheninsel war zeitweise deutlich eingeschränkt. Die entstandenen Kosten für die Wiederherstellung des ordnungsgemäßen Zustandes der Flotte wollte der Sprecher nicht beziffern, in Insiderkreisen spricht man von mehreren Hunderttausend Silber.(kpa)